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Die römische Baukunst


Einführung und Entstehung

Die Kunst und Architektur der römischen Antike ist nicht nur die offizielle Kunst der Stadt Rom selbst, sondern die Kunst des gesamten römischen Reiches. Im Verlauf ihrer Entwicklung integrierte sie verschiedene Einflüsse und Stilmerkmale der altitalischen, etruskischen und der griechischen Kunst.

Durch die zahlreichen Überreste römischer Bauten und nicht zuletzt durch die Aufzeichnungen des römischen Architekten Vitruv in seinem Werk ,,De Architectura" aus dem 1. Jh. v. Chr. läßt sich ein klares Bild der römischen Architektur zeichnen, für deren Ausbildung politisch - militärische und repräsentative Gründe ausschlaggebend waren. Große Bedeutung kam deshalb neben dem Sakralbau Ingenieurleistungen wie dem Bau von Straßen, Brücken und Wasserleitungen, der Städteplanung und öffentlichen Bauten wie Versammlungsgebäuden, Thermen und Theatern, den sogenannten Profanbauten, zu. Viele Bauten wurden zur Verherrlichung des Imperiums und des Imperators errichtet. In der römischen Kunst werden ähnlich wie in der Geschichte drei Epochen unterschieden: Als erstes die Etappe der republikanischen Zeit, die bis 31 vor Christus andauerte. Danach kommt die Etappe der Kaiserzeit, die insgesamt von 31 vor Christus bis 337 nach Christus andauerte, aber in 5 kleinere Epochen unterteilt wird:


Epochen der Römischen Baukunst

1. Augusteische Kunst (31 v. Chr. - 14 n. Chr.)

Pont du Gard

"Pont du Gard" im Süden Frankreichs



2. Flavische Kunst (68 - 96 n. Chr.)

Theater in Orange

Theater in Orange



3. Trajan - Hadrianische Kunst (98 - 138 n. Chr.)

Pantheon

Pantheon



4. Antoninische Kunst (138 - 235 n. Chr.)

Die Caracellathermen

Die Caracellathermen



5. Kunst des 3. Jahrhunderts (235 - 337 n. Chr.)

Der Konstantinsbogen

Der Konstantinsbogen



In der Kaiserzeit war die Kunst überwiegend Staatskunst. Die Epoche der spätrömischen Kunst, die von 337 - 476 n. Chr. reichte, kann man auch als frühchristliche Kunst bezeichnen, da Kaiser Konstantin, wie schon erwähnt, zum Christentum übergetreten war.



Amphitheater in Verona

Teil des Amphitheaters in Verona

Die römische Kunst läßt sich nach stilistischen Merkmalen mit Vereinfachungen in zwei Richtungen einordnen: In den Klassizismus und den Barock.


Baumaterialien

Naturstein, Holz, Platten aus Terrakotta, der gebrannten Tonerde, und Fliesen waren seit Beginn der Republik die wichtigsten Baumaterialien der Römer. Die Auswahl der Steine reichte vom italienischen Kalktuff, einem Vulkangestein mit sehr hohem Kalkgehalt, und Travertin, einem dem Kalktuff ähnlichem Sedimentgestein, bis zum schneeweißen Marmor aus Griechenland und Kleinasien. Seit der Herrschaft Cäsars wurde bevorzugt weißer Marmor aus Luna verwendet. Das liegt heute am Golf von Genua, südlich von Mailand. Häufig benutzte man dünne Platten aus edlem Marmor zur Verkleidung von Wänden. Die Erfindung des Mörtels ermöglichte die Konstruktion komplexerer Gebäude. Der von den Römern verwendete Gußmörtel, ein betonähnliches Material aus einer Mischung von Kies, Kalk und Vulkangestein, wurde so fest, daß dadurch die Überwölbung größerer Grundflächen möglich wurde. Erst derartige Gewölbekonstruktionen schufen die Voraussetzungen für den Bau von Amphitheatern, Thermenanlagen oder Kuppeln.


Bögen und Gewölbe

Die Römer entwickelten die Bögen und Gewölbe zu höchster technischer und künstlerischer Vollendung weiter. Sie verwendeten besonders Bogenreihungen, Tonnen, Kreuz- und Kuppelgewölbe. Diese Arten möchte ich jetzt näher beschreiben. - Bogenreihungen kann man auch als Arkaden bezeichnen, welche zum Beispiel beim Kolosseum angewendet wurden. Entweder ist es eine fortlaufende Reihe von flachen oder gewölbten Bögen, die auf Säulen oder Pfeilern ruhen, oder ein einseitig geöffneter Bogengang. - Das Tonnengewölbe ist die einfachste Gewölbeform. Es ist ein liegender Halbzylinder. - Ein Kreuzgewölbe ergibt sich, wenn sich zwei Tonnengewölbe, die im rechten Winkel zueinander stehen, gegenseitig durchdringen. Wegen der dabei an den Schnittstellen entstehenden Grate nennt man diese Form auch Kreuzgratgewölbe. - Ein Kuppelgewölbe hat eine Form, die sich einer Halbkugel annähert. Sie dient zum Überspannen eines runden oder quadratischen Raumes.


Römische Straßen

Jeder von euch kennt ja bestimmt das Sprichwort ,,Alle Wege führen nach Rom". Das kann aber auch wirklich verwendet werden, denn an dem, was die Römer geleistet haben, könnte man sich in Bernsbach oder zwischen Lauter und Aue ein Beispiel nehmen. Die Römer hatten ein ganzes Netz von Verkehrswegen, das das ganze römische Reich umspannte. Es wurde zunächst aus politischen und militärischen Gründen geschaffen, um Provinzen schnell und leicht erreichbar zu machen. Der Ausbau des Straßennetzes, das gleichzeitig Handelszwecken diente, verlief parallel zum Wachstum des Reiches.

Bis gegen Ende des 4.Jahrhunderts v. Chr. bestanden die meisten Römerstraßen aus nicht befestigten Wegen, die von Rom aus in die verschiedenen Städte Latiums führten. Erst später begann man, sie planmäßig anzulegen und zu befestigen, da sie als Heereswege die Voraussetzung für die militärische Expansion des Römischen Reiches bildeten. Beim Straßenbau wurde über den gestampften Boden zunächst ein festes Steinfundament aus groben Steinen mit einer abschließenden Querschicht gelegt. Darüber kamen mehrere Schichten aus kleineren Steinen in gröberer und feinerer Schüttung. In einigen Fällen, insbesondere auf den wichtigsten Strekken, wurde dieses Fundament mit einer Schicht aus Kopfsteinpflaster oder Pflastersteinen abgeschlossen. Die Straßen waren mit einem wirkungsvollen Entwässerungssystem in Form seitlich angebrachter Regenrinnen ausgestattet. Entlang der gesamten Strecke waren Meilensteine aufgestellt, die u. a. die Entfernung zur nächsten Stadt oder Provinzgrenze anzeigten.



Römische Straße im Aufbauprozess

Eine römische Straße im Aufbauprozess


Aquädukte

Das ist im Allgemeinen eine künstlich angelegte, oberirdisch verlaufende Steinbrücke zum Transport von Wasser. Sie kann aus einem offenen oder geschlossenen Kanal bestehen. Aquädukte wurden meist auf Bogenkonstruktionen über ein Tal oder einen Fluß geführt.

Die von den Römern gebauten Aquäduktsysteme zählen zu den größten der antiken Welt. Die Römer führten sie schnurgerade wie ihre Straßen durchs Land. Zur Kaiserzeit deckten 11 große Wasserleitungen in Rom den täglichen Wasserbedarf von 140 m 3 . Sie speisten die Thermen und mehr als 2000 öffentliche Brunnen, Becken und Privathäuser. Aber auch in den Provinzen des Imperiums waren sie notwendig, um eine gesunde Entwicklung zu gewährleisten. In Spanien, Südfrankreich, Nordafrika und Kleinasien sind solche Bauwerke erhalten geblieben, Zeugen für die einstige Größe Roms. Der Pont du Gard ist der am besten erhaltene Aquädukt. Er führt über das Flußbett des Gardon bei Nimes in Südfrankreich und versorgte einst die Stadt mit Frischwasser. Der Wasserkanal liegt auf einer 49 Meter hohen und 273 Meter langen dreigeschossigen Brücke. Die untere Bogenreihe wird von sechs mächtigen Pfeilern getragen, die durch Wellenbrecher verstärkt sind. Darüber stehen zehn Pfeiler mit neun Bögen in gleicher Anordnung. Das dritte Geschoß ist eine kleine Arkadenanlage, die aus 35 Bögen besteht und die eigentliche, mit Platten abgedeckte Wasserleitung trägt. Der Pont du Gard wurde im letzten Viertel des 1. Jh. v. Chr. Erbaut. Bei Sergovia in Spanien steht noch ein ähnlicher Aquädukt.

Ein noch heute erhaltenes Aquaedukt

Ein heute noch erhaltenes Aquädukt



Wohnbauten

· Herrenhäuser (Stadthäuser) Das römische Herrenhaus (Domus) entwickelte sich aus dem einfachen Atriumhaus, wie es schon die Etrusker kannten, und dem griechischen Peristylhaus. Es war achsensymmetrisch um einen zentralen Innenhof angelegt, der in der Mitte ein Auffangbecken für Regenwasser besaß und in den man von der Straße aus durch ein Vestibül, was einem Vorhof entspricht, und eine Eingangshalle gelangte. Darum gruppierten sich der Hauptraum, der Essraum, die Küche und eine Reihe kleinerer Schlafräume. Hinter dem Hauptraum schloß sich ein Garten an. Gegen Ende der Republik wurden die römischen Häuser architektonisch anspruchsvoller. Insbesondere bei dem als Villa urbana (Stadtvilla) bezeichneten Gebäudetyp wurde der Garten mit einem Säulengang zu einem Säulenhof erweitert, der häufig von weiteren Räumen flankiert wurde. Die Wände waren mit Fresken in leuchtenden Farben bemalt, die Fußböden mit kunstvollen Mosaiken geschmückt. Von außen zeigte das Haus nur kahle Wände ohne Fenster oder nur mit wenigen kleinen Öffnungen. Die Wohnhäuser der vornehmen Bürger konnten sich über ein ganzes Straßenquadrat erstrecken, wie das bekannte Haus des Faun in Pompeji, das zu Beginn des 2. Jh. v. Chr. erbaut wurde.

· Villen Ein weiterer Gebäudetyp ist das römische Landhaus (Villa rustica), häufig ein ganzer Gutskomplex mit ausgedehnten Ländereien und Wirtschaftsräumen. Ein Beispiel dafür ist die Hadriansvilla bei Tivoli. Sie ist ein gutes Beispiel für die Verfeinerung des Baustils in der Kaiserzeit.

· Städtische Mietshäuser Ärmere Stadtbewohner, die sich kein eigenes Wohnhaus leisten konnten, wohnten in sogenannten Insulae (lat.: Inseln). Das sind mehrstöckige freistehende Gebäude aus Backstein und Mörtel ohne Garten, die Ähnlichkeit mit Mietshäusern unserer Zeit hatten. Sie waren bis zu 6 Stockwerke hoch, hatten Innentreppen und wurden alle nach einem Standardgrundriß gebaut, den man nach Bedarf abwandelte. Eine Wohnung bestand gewöhnlich aus 4 oder 5 Räumen und war mit Fenstern und Balkons nach der Straße ausgerichtet. Die am besten erhaltenen Mietshäuser fand man in Ostia, dem antiken Hafen von Rom.

· Paläste Das Wort Palast weist schon von seiner Entstehung her auf die römische Herrscherresidenz. Es kommt vom lateinischen "Palatium", was die Bezeichnung für den palatinischen Hügel in Rom ist. Während Augustus auf dem Palatin noch in einem einfachen Römerhaus wohnte, ließen die nachfolgenden Kaiser prunkvolle Paläste errichten. Unter der Herrschaft von Kaiser Domitian wurde ein großer Palast erbaut. Dieser Domus augustana verfügte zusätzlich zu den privaten Gemächern über große Empfangshallen, öffentlich Eßräume, Brunnen-anlagen und einen Park.


Thermen

Öffentliche und private Thermenanlagen zählten zu den aufwendigsten Baukomplexen der römischen Antike. Therme kommt vom griechischen ,,thermos", was soviel wie warm bedeutet. Die öffentlichen Thermen konnten auch als Paläste der Bürgerschaft bezeichnet werden. Diese riesigen Anlagen wurden von den römischen Kaisern erbaut, luxuriös ausgestattet und faßten Tausende Besucher. Sie dienten nicht nur dem eigentlichen Bad, sondern auch dem sportlichen Training, der Kontaktpflege, Entspannung und Erholung. Es gab Bibliotheken und Vorträge wurden gehalten. Wandelgänge und Hallen waren mit unzähligen Kunstwerken ausgestattet, die man aus Griechenland herbeigeschafft hatte. Vergoldeter Stuck, kostbare farbige Marmorverkleidungen und reiche Mosaike steigerten die Pracht.

Die kaiserzeitlichen Thermen waren nach einem streng symmetrischen Grundriß angelegt, die Haupträume auf einer Mittelachse klar hintereinander geordnet. Die ganze Badeanlage wurde von einer Umfassungsmauer mit Nischen und Exedren eingefaßt. Wer ein Bad nehmen wollte, mußte eine bestimmte Reihenfolge einhalten: Heißbad, Lauwarmbad, Kaltbad. Auch der Weg in einer Therme war festgelegt. Vom Apodyterium, dem Umkleideraum, gelangte der Benutzer durch Räume mit Warmluft zum Caldarium, einem überwölbten Raum mit Heißwasserbecken und beheizten Fußböden. Von hier aus ging es weiter zum Tepidarium, dem Lauwarmbad, und schließlich zum Frigidarium, einer großen Halle mit dem Kaltwasserbecken. Dann führte der Weg zur Natatio, dem großen Schwimmbecken unter freiem Himmel. Für Schwitzbäder und Massagen waren besondere Räume vorgesehen, zum Beispiel das saunaähnliche Luftschwitzbad, das Laconicum. Die Heizung erfolgte über eine Art Unterbodenheizsystem, bei dem heiße Luft in einen Hohlraum unter dem zu heizenden Raum geleitet wurde. Das für den Badebetrieb benötigte Wasser wurde teilweise über riesige Entfernungen durch Aquädukte herangeführt. Als Beispiel für einen Umkleideraum habe ich ein Bild von den Stabianer Thermen in Pompeji gefunden. In den Wänden erkennt man noch die Nischen für die Kleiderablage. Zu den großartigsten Thermenanlagen zählen die Caracallathermen in Rom, die von 206 - 215 erbaut wurden. Sie vereinigten Bibliotheken, Lesesäle und großflächige Räume unter einem Dach.


Theater und Amphietheater

Die ersten römischen Theaterbauten entstanden gegen Ende der Republik, also ca. 80 v. Chr. Es waren halbrunde, freistehende Gebäude auf ebener Erde, worin auch der Unterschied zu den griechischen Theatern bestand, denn die Griechen bauten ihre Theater an Berghängen. Zuschauerraum, Orchestra und Bühne wuden in einem Bauwerk fest zusammengeschlossen. Die Sitzreihen waren durch Gänge und Zwischenreihen in keilförmige Segmente untergliedert und über Bogen und gewölbten Gängen aufgemauert. Den Sitzreihen gegenüber stand ein mehrstöckiges Bühnenhaus, das die Höhe der oberen Zuschauerränge erreichte. Die Wand dieses Bühnenhauses stellte mit Säulen und Nischen beim Auftritt der Schauspieler eine prächtige Kulisse dar. Ein wichtiges Beispiel für ein solches Theater findet man in Orange. Das ist im Buch auf Seite 152 abge-bildet. Amphitheater sind kreis- oder ellipsenförmige Freilichttheater. Amphi ist griechisch und heißt übersetzt ringsherum oder zu beiden Seiten. Die ersten Amphitheater der Antike wurden aus Holz errichtet, später auch aus Stein. Von den Römern wurden die Amphitheater für sportliche Wettkämpfe, Tierkämpfe, Gladiatorenkämpfe und andere Veranstaltungen (so z. B. auch Seege-fechte) genutzt. Das älteste Amphitheater entstand um 80 v. Chr. in Pompeji. In Rom wurde das erste Amphitheater aus Holz 59 v. Chr. von dem römischen Oberpriester Gaius Scribonius Curio erbaut, das erste Steingebäude 30 v. Chr. von dem späteren Kaiser Augustus. Bis zur Errichtung des Kolosseums durch Kaiser Vespasian, war es das einzige Theater in Rom, das nicht vollständig aus Holz bestand.

Noch heute erhaltene Amphitheater findet man in Verona oder in Pompeji. Das ist ein Bild von dem Theater in Pompeji. Das Amphitheater von Verona ist im Buch auf Seite 154 abgebildet. Es wird auch heute noch für Theateraufführ-ungen wie Romeo & Julia genutzt.

Aber das wohl bekannteste Amphitheater ist das flavische Amphitheater in Rom, besser bekannt als Kolosseum. Diesen Namen bekam es nicht wegen seiner Größe, sondern wegen der früher dort aufgestellten Kolosstatue von Kaiser Nero. Mit dem Bau des Kolosseums wurde 72 n. Chr. unter Kaiser Vespasian begon-nen; 80 n. Chr. wurde es unter dessen Sohn und Nachfolger Titus vollendet und mit hunderttägigen Schauspielen eingeweiht. Der riesige Bau konnte bis zu 50.000 Zuschauer fassen, die mit großer Begeisterung den oft grausamen Spielen zusahen. In einer Legende aus dem 4. Jh. wurde sogar überliefert, daß das Kolosseum 87.000 Zuschauer gefaßt hätte. Die beeindruckendsten Kämpfe waren die Seeschlachten, wobei die ganze Arena unter Wasser gesetzt wurde. Heute erscheint so etwas für die Römerzeit völlig unmöglich, doch schon beim Bau des Kolosseums stellten die Römer ihre Fähigkeiten unter Beweis. Unter anderem war es möglich, über das Amphitheater riesige Sonnensegel, die Velurien, aufzuziehen. Der vierstöckige Riesenbau hatte einen Umfang von 527 Metern und besaß eine 50 Meter hohe Außenmauer und einen ovalen Grundriß von 188 x 156 Metern. Die Außenmauer ist nach dem römischen System gegliedert. Die Römer verbanden dabei den Rundbogen mit Bauelementen, die sie dem griechischen Tempelbau entlehnten. Vom 1. bis zum 3. Stockwerk wurden kräftige Pfeilerarkaden errichtet, vor die Halb- oder Dreiviertelsäulen gesetzt wurden. Dabei verwendete man im unteren Geschoß die dorische Ordnung, im mittleren die ionische und im oberen Geschoß die korinthische Ordnung. Die einzelnen Stockwerke wurden durch Gesimse getrennt und umfaßten jeweils 80 Arkaden. Das vierte Stockwerk ist geschlossen, nur durch flache Pilaster mit korinthischen Kapitellen gegliedert und es sind Fenster eingelassen.

Im Inneren trennte ein 4 Meter hohes Podium den Zuschauerraum von der Arena. Die Zuschauer betraten das Kolosseum durch die unteren Arkaden und gelangten auf Treppen zu den einzelnen Rängen, die nach Rangklassen ge-trennt waren: Der erste Rang war für den Kaiser, die hohen Beamten, die Priester und die Vestalinnen bestimmt, für den Adel und die Offiziere der zweite, für die römischen Bürger der dritte und für das einfache Volk der vierte Rang. Die unterirdischen Gänge führten zu den Räumen der Gladiatoren und zu den Zwingern der wilden Tiere. Dort befanden sich auch die mechanischen Vor-richtungen für die Spiele, zum Beispiel die Lastenaufzüge. Die Gladiatoren und Tiere gelangten durch Aufgänge zur Arena. Im Laufe der Zeit wurde das Kolosseum bei verschiedenen Naturkatastrophen und vor allem von den Römern selbst erheblich zerstört, die den gewaltigen Bau als Steinbruch benutzten. Das Amphitheater ist ein Vorläufer unserer zeitgenössischen Stadien und der spanischen Stierkampfarenen. In der modernen Architektur wurde es als Ort kultureller oder einfach nur geselliger Veranstaltungen wiederentdeckt und findet sich in stark verkleinerter Form in öffentlichen Parks, Schulen oder Wohnanlagen.



Forum Romanum

"Forum" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Markt oder Marktplatz. In der Antike war es ein großer, offener, rechteckiger Platz im Zentrum jeder römischen Stadt. Dieser Platz, auf dem sich die Menschen an Markttagen, bei religiösen Festen, Volksversammlungen und anderen öffentlichen Ereignissen versammelten, war das Zentrum für alle städtischen Behörden und Regierungsorgane. Eine besondere Funktion hatte das Forum auch als Gerichtsort. Auf dem Platz wurden Altäre, Siegessäulen und Triumphbögen errichtet, am Rand standen Tempel, Markthallen und Bogengänge.

Das bedeutendste Forum der Antike war das Forum Romanum Magnum (großes römisches Forum). Da ihm keine einheitliche Planung zugrunde liegt, ist es mit der Zeit gewachsen. Nach und nach wurden Läden, Versammlungsgebäude, Tempel und Basiliken errichtet, und schon bald wurde der Platz zum Stadtmittelpunkt. Es wurden Volks- und Senatsversammlungen abgehalten, Wahlen der Magistratsbeamten fanden statt, Gericht wurde gehalten und religiöse Zeremonien gefeiert. Das ursprüngliche Forum in Rom lag in der Talsenke zwischen Palatin und Quirinal, Kapitol und Esquilin. Das sumpfige Gelände war anfänglich von unzähligen Bächen durchzogen und wurde erst im Laufe der Zeit entwässert und nach und nach trockengelegt. Die erste Entwässerung ließ König Traquinius Priscus mit dem Bau der Cloaca Maxima im 6. Jh. v. Chr. durchführen.

Ein Marktplatz mit einer Geschäftsstraße, der Via Sacra, wurde angelegt. Ein Platz für Stadtversammlungen befand sich an der Nordwestecke. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. wurden verschiedene Tempel gebaut. Das erste Gerichtshaus, die Basilica Porcia, wurde 184 v. Chr. gebaut. Danach folgten weitere Basiliken, die dem Forum sein charakteristisches Erscheinungsbild mit den Säulengängen verliehen. Mit der rasch einsetzenden wirtschaftlichen und politischen Vergrößerung Roms war ein einziges Forum nicht mehr ausreichend und es wurden neue Foren angelegt, wie zum Beispiel das Forum des Julius Cäsar.

Nach 608 verfiel das Forum durch Erdbeben, Brandkatastrophen und den Raub von Marmor und Bronzestatuen. Wohngebäude wurden in Festungen umgebaut, und während der Renaissance fanden die Gebäude als Baumaterial für andere Zwecke Verwendung. Das Gelände verkam und wurde in der Goethe-zeit als ,,Campo Vaccino" (Kuhweide) bezeichnet. Erst im 19. Jahrhundert wurde mit Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten begonnen.


Tempel

Der römische Tempel entwickelte sich aus dem etruskischen Podiumstempel mit Treppenaufgang und Säulenvorhalle und griechisch - hellenistischen Baufor-men, was sich in den senkrechten Säulen, dem waagerechten Gebälk, dem flachen Dach und den Schmuckformen zeigte. Aber im Gegensatz zu den griechischen Tempeln waren die römischen meist in die Stadt eingebunden und hoben sich durch die erhöhte Lage unter den anderen Bauwerken hervor. Der römischen Vorliebe für das Prunkvolle entsprach bei den Säulen am meisten die jüngste Ordnung, die korinthische. Aber auch das ionische Kapitell wurde häufig verwendet. Als Verbindung beider Kapitelle entwickelten die Römer das Kompositkapitell.Der römische Podiumstempel war meist auf einem rechteckigen Grundriß errichtet und besaß nur auf der Vorderseite eine Säulenvorhalle, während die Seitenwände lediglich mit Säulen verblendet waren. Ein Beispiel dieses Tempelbaus ist die Maison Carée, was soviel wie viereckiges Haus bedeutet. Dieser Tempel steht in Nimes in Südfrankreich und wurde in korinthischer Ordnung gebaut. Neben der Form des Podiumstempels wurden auch Rundtempel errichtet. Diese Tempelform besitzt eine zylindrische Cella, um die frei stehende Säulen angeordnet sind. Der Rundtempel der Sybilla in Tivoli ist ein Beispiel für diese Bauform.
Im Inneren erfuhr der römische Tempel eine wesentlich Änderung gegenüber dem griechischen. Die Cella wurde seitlich in Nischen aufgeteilt und das Kultbild stand in einer großen Nische an der Rückwand des Tempels, was das Kultbild zu einem Teil der Architektur machte. Das Pantheon in Rom ist der am besten erhaltene Hauptbau des alten Rom und eines der bedeutendsten Bauwerke der Architekturgeschichte überhaupt. Es war in der Antike allen Göttern geweiht. Kaiser Hadrian ließ das Pantheon von 120 - 126 n Chr. auf dem Marsfeld errichten. Von außen wirkt es einfach, nüchtern und schmucklos. Früher waren die 6 Meter dicken Mauern mit Marmor und Stuck verkleidet. Heute stellen Gesimsbänder den einzigen Schmuck dar. Die Eingangsseite ist mit einem Säulenportal aus 16 Säulen versehen. Das Innere des Tempels ist ein Kuppelraum mit ganz einfachen Maßverhältnissen. Der Unterbau ist ein Zylinder mit 43,5 Metern Durchmesser, der acht Stützpfeiler verbirgt. Er wird durch sieben Nischen mit je zwei korinthischen Säulen aufgelockert. Durch den Goldenen Schnitt läßt sich dieser Unterbau genau in zwei Hälften teilen. Auf diesen Mauerzylinder ist eine Kuppel aufgesetzt, so daß der Raum auch eine Höhe von 43,5 Metern besitzt. Die Kuppel besitzt eine Kassettendecke und eine Öffnung mit neun Metern Durchmesser in der Mitte, die das Innere beleuchtet. Es befinden sich jeweils 5 Kassetten übereinander, die sich nach oben hin verkleinern. Im frühen 7. Jahrhundert wurde das Pantheon zur christlichen Kirche Santa Maria ad Martyres geweiht, dem es seinen Fortbestand verdankt.


Triumphbögen


Zu den wichtigsten Bauten mit propagandistischer und rein dekorativer Funktion gehört der Ehren- oder Triumphbogen (Arcus triumphalis), der überall im Reich zunächst von Feldherren, später vom Senat und während des Prinzipats von den Kaisern selbst errichtet wurde, um einen militärischen Sieg zu feiern. Er war als einfacher Torbau mit einem oder drei Durchgängen gestaltet und häufig von Ehrenmälern in Form größerer Skulpturengruppen gekrönt, die den Geehrten mit seinem Gespann darstellten.

Erst in der römischen Kaiserzeit erfuhren sie eine aufwendigere Gestaltung und wurden mit schmückenden Relieftafeln versehen, die den Anlass der Ehrung zuweilen in allegorischer Form darstellten. Einer der am besten erhaltenen römischen Triumphbögen, zu deren Verzierung in der Regel Säulen der korinthischen oder der Kompositordnung verwendet wurden, ist der Titusbogen (um 81 n. Chr.) auf dem Forum Romanum und der Konstantinsbogen (315 n. Chr.) in der Nähe des Kolosseums. Auch außerhalb Roms wurden geschmückte Triumphbögen errichtet, wie der Bogen mit 14 Tafeln zu Ehren Trajans in Benevento (Süditalien, um 114 n. Chr.) oder der Tiberiusbogen (25 v. Chr.) in Orange.