Theater

Theater am Gymnasium Gernsheim

Allgemeine Informationen

Die erste Produktion der Theater-AG, die unter anderem von mir betreut wurde, war zugleich die aufwendigste: Brechts Dreigroschenoper! Damals arrangierte Rainer Malkmus die Musik und den Gesang, wir spielten in der zu einem Bühnensaal umgebauten Turnhalle der Schule, mussten dazu die Glasbaustein-Konstruktion der Halle durch schwere Vorhänge verdunkeln.

Die RWE Biblis baute uns aus Stahlgerüsten eine wunderbare brechtgemäße Bühne. Und die Akteure spielten sich die Seele aus dem Leib und machten Karriere: Anja Glöck als Polly studierte später Theaterwissenschaften und ist heute ausgebildete Regisseurin in den Vereinigten Staaten; ihr damaliger Partner Guido Schick als Mackie Messer lebt gegenwärtig als Schauspieler in Hamburg, Valerio Magno als Filch hat als Radiomoderator Fuß gefasst. Viele Stücke folgten, nicht nur von der Theater-AG, in der vor allem Schülerinnen und Schüler der Oberstufe mitwirken, sondern auch von den Wahlpflichtgruppen aus den Klassen 9 und 10. Mit "Leonce und Lena" verbinden wir Erinnerungen besonderer Art, weil wir mit diesem Stück unsere erste Freiluftaufführung hatten. Durch die heutigen Museumsleiterin des Büchnerhauses, Frau Pöllmann, auf den Gedanken gebracht, spielten wir im Hof des damals noch ganz und gar sanierungsbedürftigen Bühnenbild ein und hatten mit unserem Publikum viel Spaß bei dieser Sache.

Jürgen Seelbach


Das Schülertheater am Gymnasium Gernsheim realisiert sich auf drei Ebenen:

Die Ebene der Arbeitsgruppen
Die AGs unterscheiden sich von der Zusammensetzung und der Leitung. Zur Zeit arbeiten die Gruppen Theater-AG 1 (Altersgruppe der Jgst. 7 bis 9) und Theater-AG 2 (Altersgruppe der Jgst. 10 bis 13, ergänzt durch ehemalige Schülerinnen und Schüler, die der Gruppe die Treue gehalten haben) unter der Leitung von Jürgen Seelbach. Mitunter existiert auch eine Theater-AG für die Jgst. 5 und 6, dies hängt allerdings davon ab, ob sich ältere bühnenerfahrene Schülerinnen und Schüler finden, die die Spielleitung übernehmen. Zwar ist die Fluktuation in den AGs gering und vor allem eine gewisse Spielerfahrung Voraussetzung für eine sinnvolle Mitarbeit in der Theater-AG 2, dennoch handelt es sich nicht um feste Ensembles, sondern um grundsätzliche offene, stückorientierte Gruppen.

Die Ebene des Wahlpflichtunterrichtes
Seit 1993 bringt die Gruppe, die sich in den WPU-Bereich "Theater" für 2 Jahre einwählt, Stücke auf die Bühne. Das WPU-Angebot wird vor allem von Schülerinnen intensiv nachgefragt, oft wechseln leistungsstarke Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Theater-AG 2. Die Teilnehmer werden nach ihren Leistungen benotet wie in anderen Fächern auch.

Die Ebene der Klassen und Kurse
Die Stücke, die in diesem Bereich produziert werden, erwachsen in der Regel ergänzend zur unterrichtlichen Arbeit oder sind einem bestimmten didaktischen Konzept verpflichtet, daher entsteht hier keine Kontinuität wie im AG- oder WPU-Bereich. Dennoch erfährt die Theaterarbeit der Schule durch diese Produktionen wichtige Anregungen.

Das Schülertheater ist stückabhängig vernetzt mit den Arbeitsbereichen Musik und Kunst.
Der Aufführungsort ist in der Regel die Aula der Schule mit einem Fassungsvermögen von 210 Zuschauern. Außerschulische Spielorte, die bisher benutzt wurden, sind das Parktheater Bensheim und das Büchnerhaus in Goddelau (Freilichtaufführungen). Anfang der 90er Jahr war die Theaterarbeit eingebunden in die Schultheatertage an den Theatern in Mannheim, Rüsselsheim und Darmstadt. Vor allem aus finanziellen, aber auch aus logistisch-zeitlichen Gründen endeten wir die Verbindung 1994. Die teilnehmenden Gruppen waren gezwungen, die Anreise, Versorgung und den Requisitentransport eigenverantwortlich zu organisieren, ohne an den Eintrittsgeldern beteiligt zu sein oder die Auslagen von den jeweilig verantwortlichen Kommunen ersetzt zu bekommen. Da unsere Theatergruppen nicht nur die laufenden Produktionen finanzieren, sondern auch in die technische Ausstattung und Erneuerung investieren sowie solche verwandten Schulprojekte wie Theater-Workshops finanziell sichern, die sich nicht selbst refinanzieren können, ergibt sich die Notwendigkeit sparsamer Haushaltsführung und der Abwägung der Effizienz einzelnen Veranstaltungen.
Die Theaterarbeit stützt wesentlich den Austausch mit unseren Partnerschulen, vor allem das regelmäßig stattfindende Musik/Theater-Projekt mit der Poynton High School in England lebt davon, dass schauspielerisch vorgebildete Schülerinnen und Schüler daran teilnehmen.
Im Jahr 2000 wurde die Vernetzung mit dem Fach Musik intensiviert, da zum ersten mal auch eine Theatergruppe an der Musikfreizeit auf der Burg Breuberg / Höchst teilnahm und am anschließenden Konzert beteiligt war.

Die in der Anlage aufgeführten Produktionen der letzten Jahre mag die Vielfalt der Arbeit dokumentieren.
 

Jürgen Seelbach